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Leinkraut-Scheckenfalter

An sonnigen, nicht zu windigen Junitagen stehen die Chancen gut, den prächtigen Leinkraut-Scheckenfalter (Mellicta deione berisalii) im Gebiet Ausserberg-Hohtenn an der Lötschberg-Südrampe anzutreffen. Er lässt sich durch – die für Scheckenfalter typische – orangebraune Grundfärbung mit schwarzem Gittermuster gut erkennen. Der Falter gehört zur Familie der Schmetterlinge und ist auf ein trocken-warmes Klima angewiesen. In der Schweiz sind elf Scheckenfalterarten bekannt, die alle ein sehr ähnliches Aussehen aufweisen. Die Raupe des Leinkraut-Scheckenfalters ist eng an die Futterpflanze, das Italienische Leinkraut (Linaria angustissima), gebunden. Wie beim Falter liegt das Hauptverbreitungsgebiet im Mittelmeerraum, von wo aus vermutlich sowohl Futterpflanze wie auch der gleichnamige Falter nach der letzten Eiszeit ins Rhonetal eingewandert sind. Eine eigene Unterart des Leinkrautscheckenfalters kommt weltweit nur im Wallis vor, d.h. er gilt als Endemit des Rhonetals. Darum trägt nicht nur der Kanton, sondern auch das Welterbe eine internationale Verantwortung für den Fortbestand dieses äusserst seltenen und geschützten Schmetterlings.
Früher, als im Oberwallis noch zahlreiche Böden umgebrochen wurden, war der Leinkraut-Scheckenfalter häufig anzutreffen. Mittlerweile ist er selten geworden. Der Grund ist einfach: Die Raupe des Falters ernährt sich ausschliesslich von den Blättern des Italienischen Leinkrauts, das als Ackerbegleitflora nur auf trockenen, immer wieder bearbeiteten Flächen gedeiht und in Rebstöcken als „Unkraut“ unerwünscht ist. Fehlt die Pflanze, fehlt demnach auch der Falter.

Massnahmen

2014 wurde in Zusammenarbeit mit dem Umweltbüro buweg eine erste Bestandesaufnahme der Art für die Welterbe Region erstellt und damit ein wesentlicher Beitrag geleistet, Grundlagen zu erforschen und mehr über den seltenen Falter zu erfahren. Diese Erkenntnisse bilden die Basis für die Ausarbeitung von Schutz- und Förderungsmassnahmen, die zusammen mit lokalen Landwirten umgesetzt werden sollen.
2015 konnte der Perimeter des Leinkraut-Scheckenfalterprojekts praktisch vollflächig in das Vernetzungsprojekt Ausserberg integriert und somit die extensive Beweidung vertraglich gesichert werden. Zusammen mit Bergbauer Orlando Schmid wurde im selben Jahr ein Pilotprojekt lanciert und im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes auf der Rinderweid, oberhalb von Ausserberg, eine brach liegende Ackerfläche umbrochen und 240 Jungpflanzen des Leinkrauts ausgebracht. Eine erste Kontrollbegehung zeigte ein erfreuliches Resultat der Aktion.

2016 erfolgte der nächste Schritt mit der Pflanzung von über 200 Leinkrautsetzlingen an ausgewählten Stellen entlang der Flurstrasse nach Leiggern oberhalb Ausserberg. Da die Flurstrasse Leiggern südexponiert und ohne geschlossene Vegetation ist, eignet sich dieses Gebiet hervorragend für die Futterpflanze.

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Neben der Aufwertung von potentiellen Habitaten strebt das Managementzentrum jedoch auch an, für möglichst viele Förderflächen kantonale Bewirtschaftungsverträge abzuschliessen, um für den Bewirtschafter eine zusätzliche Abgeltung zu den Direktzahlungen zu generieren.

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